Fenster für Altbauten und Gründerzeithäuser aus den 1930er bis 1970er Jahren – Energetische Sanierung im Einklang mit dem Denkmalschutz

Steigende Heizkosten, kalte Zugluft an den Fensterbänken trotz geschlossener Fenster – wenn Sie in einem Altbau oder Gründerzeithaus leben, kennen Sie dieses Problem vermutlich gut. Veraltete Fenster sind für bis zu 25–30 % der Wärmeverluste im Gebäude verantwortlich. Die Erneuerung der Verglasung ist jedoch nicht nur eine energetische, sondern auch eine gestalterische, rechtliche und technische Herausforderung. Denn ein Gründerzeitgebäude aus den 1930er Jahren und ein Plattenbau aus den 1970ern sind zwei völlig unterschiedliche Welten. Andere behördliche Anforderungen, andere Fensterproportionen, andere Montageprobleme. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie diese Komplexität souverän meistern.

Eine Reihe pastellfarbener, historischer Mietshäuser mit verzierten Giebeln und Fenstern vor dem Hintergrund eines klaren Himmels.

Inhaltsübersicht:

Warum das Baujahrzehnt bei der Fensterwahl entscheidend ist

Bevor Sie sich durch Angebote und Produktkataloge arbeiten, müssen Sie eine grundlegende Frage beantworten: Aus welcher Bauepoche stammt Ihr Gebäude? Davon hängt praktisch alles ab – welche Fenster der Denkmalschutz akzeptiert, welche Proportionen der Rahmen wahren muss und sogar welche Farbtöne angemessen sind.

Gebäude der 1930er Jahre – Schlichtheit des Neuen Bauens

Die Architektur der Zwischenkriegszeit, beeinflusst vom Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit, verabschiedete sich von historistischen Verzierungen und setzte auf klare geometrische Formen. Fenster dieser Epoche zeigen häufig dreiflügelige Konstruktionen mit asymmetrischer Teilung oder einem Oberlicht. Die Profile waren bewusst schlank gehalten – aus Stahl oder dünnem Holz –, um maximalen Lichteinfall zu gewährleisten.

Beim Fenstertausch an diesen Gebäuden verlangen Denkmalschutzbehörden selten zwingend Holz. Entscheidend ist die Nachbildung des schlanken, kantigen Charakters der ursprünglichen Verglasung. Moderne PVC-Systeme mit scharfen, nicht abgerundeten Kanten können die geometrische Formensprache dieser Stahlrahmen-Fenster überzeugend aufgreifen. Aluminium-Systeme mit Profilbreiten von nur 37–77 mm erlauben eine noch authentischere Annäherung an den industriellen Charakter der Epoche.

1940er und 1950er Jahre – Nachkriegsarchitektur und Wiederaufbau

Wiederaufgebaute Gebäude und Neubauten dieser Epoche kehrten zu vereinheitlichten klassischen Gliederungen zurück. Fenster wurden massiver – meist zweiflügelig mit sichtbarem horizontalem Kämpfer und kräftigem Mittelsteg. Symmetrische Kreuzaufteilungen dominieren, und Denkmalschutzbehörden erwarten deren originalgetreue Nachbildung.

In solchen Gebäuden sind Sprossen keine Dekoration – sie sind integraler Bestandteil der Fassadenkomposition. Ihr Weglassen beim Fenstertausch kann zu Beanstandungen durch die Baubehörde führen.

1960er und 1970er Jahre – Standardisierung und Plattenbau

Diese Epoche steht für konsequente Standardisierung und einen drastischen Rückgang der Qualität. Undichte Fenster aus verziehendem Kiefernholz, brak Sprossen, ungünstige Teilungsverhältnisse – das war in vielen Wohngebäuden dieser Zeit alltäglich.

Die gute Nachricht: Gebäude aus dieser Periode unterliegen selten einem rigiden Denkmalschutz. Eigentümer haben hier den größten Spielraum bei der Anwendung moderner Mehrkammer-PVC-Profile und bei der energetischen Ertüchtigung des Gebäudes.

Historische Arbeitersiedlungen und Werkswohnungen

Ein eigenes Kapitel verdienen historische Werkswohnhäuser und Arbeitersiedlungen – charakteristische Bauten aus unverputztem Klinkerziegel, die von Industrieunternehmen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert errichtet wurden. Die ursprüngliche Verglasung war dort häufig dunkel gehalten. Ein Fenstertausch erfordert in solchen Objekten fast immer eine ästhetische Abstimmung mit der Denkmalbehörde. Bevorzugt werden tiefdunkle Holzdekorfolien wie Nussbaum oder Mahagoni, die mit der warmen Klinker-Fassade harmonieren.


Rechtliche Voraussetzungen – der Entscheidungsweg, den Sie nicht überspringen dürfen

Fehler im Genehmigungsverfahren sind keine bloße Zeitverschwendung. Bei eingetragenen Baudenkmälern können Bußgelder erhebliche Höhen erreichen, und die Denkmalschutzbehörde kann den Rückbau der neuen Fenster auf Ihre Kosten anordnen.

Eingetragenes Baudenkmal – höchste Schutzanforderungen

Steht Ihr Gebäude als Baudenkmal in der Denkmalliste, erfordert jeder Fenstertausch – selbst ein identischer Ersatz in denselben Maßen – ein vollständiges Genehmigungsverfahren:

  • Erstellung einer detaillierten Planung der neuen Verglasung mit Profilschnitten, Farben und Montageweise
  • Schriftliche Genehmigung der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde (UDB)
  • Baugenehmigung beim zuständigen Bauordnungsamt

Der gesamte Prozess nimmt 30 bis 60 Arbeitstage in Anspruch. Ein eigenmächtiger Fenstertausch am eingetragenen Baudenkmal gilt als unerlaubter Eingriff in die denkmalgeschützte Substanz.

Kommunale Denkmalliste und Denkmalbereichssatzung – abgestufte Anforderungen

Eine Aufnahme in die kommunale Denkmalliste oder eine Denkmalbereichssatzung bedeutet nicht zwingend, dass eine Baugenehmigung für den Fenstertausch 1:1 erforderlich ist. Dennoch müssen Maßnahmen, die das Erscheinungsbild der Fassade beeinflussen, mit der zuständigen Behörde abgestimmt werden. Das Fehlen solcher Abstimmungen kann zu Beanstandungen durch die Baubehörde führen – häufig auf Hinweis aufmerksamer Nachbarn.

Eigentümergemeinschaft – was viele Bauherren übersehen

Unabhängig vom Denkmalschutzstatus sind Fenster Bestandteil der gemeinsamen Gebäudefassade. Der Austausch in einem Mehrfamilienhaus erfordert die Information des Verwalters und die Anpassung von Rahmengliederung und Außenfarbe an etwaige Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft. Die WEG kann den Tausch selbst zwar nicht blockieren – Sicherheit und Wärmedämmung sind zwingende Anforderungen –, hat aber das Recht, konkrete Vorgaben zur Sprosse und Außenfolie zu machen.


PVC, Holz oder Aluminium – was akzeptiert der Denkmalschutz wirklich?

Im Internet hält sich hartnäckig das Gerücht, dass für denkmalgeschützte Altbauten zwingend Holzfenster erforderlich seien. Die Realität ist differenzierter – und die Möglichkeiten zur Budgetoptimierung sind größer als erwartet.

Holzfenster sind tatsächlich der von Denkmalschutzbehörden bei eingetragenen Baudenkmälern bevorzugte Werkstoff. Ihre natürliche Struktur bildet den historischen Charakter der ursprünglichen Verglasung authentisch nach. Problematisch sind jedoch der Preis (Renovierungsholzfenster kosten in der Regel 600–1.050 €/m²) und die notwendige regelmäßige Pflege des Lackanstrichs alle 5–10 Jahre.

PVC-Fenster mit hochwertigen Holzdekorfolien stellen eine realistische Alternative dar, besonders an Seiten- und Hoffassaden. Moderne Folien imitieren perfekt die Maserung und Tiefe von Naturholz.

Bewährte Verhandlungstaktik: Schlagen Sie der Denkmalschutzbehörde vor, an der repräsentativen Straßenfassade Holzfenster einzusetzen – und an weniger exponierten Fassaden PVC mit wiederholten Holzdekorfolien. Einsparungen gegenüber der reinen Holzlösung betragen 30–50 %, verbunden mit dem Wegfall der Holzpflegekosten.

Aluminium-Systeme mit schlanken Profilen ab 37 mm eignen sich ideal für modernistische Gebäude der 1930er Jahre, bei denen die industriell schlanke Stahlrahmenverglasung möglichst authentisch nachgebildet werden soll. Die Palette von über 200 RAL-Farben ermöglicht eine exakte Abstimmung auf die historische Fassadenfarbe.


Bogenfenster im Altbau – originalgetreue Nachbildung ohne Budgetkollaps

Gründerzeithäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert besitzen oft mit Bögen abgeschlossene Fenster – Halbkreis-, Segment-, Korb- oder sogar Ellipsen- und Spitzbögen. Sie prägen das Erscheinungsbild historischer Fassaden maßgeblich und sind gleichzeitig die größte Sorge vieler Eigentümer. Kann ein modernes PVC-Fenster einen Bogen wirklich originalgetreu nachbilden, und was kostet das?

Die Antwort lautet: Ja – und Sie haben dabei zwei Wege zur Auswahl.

Biegen von PVC-Profilen – maßgenaue Nachbildung des Bogens

Moderne PVC-Profile lassen sich in Spezialöfen thermisch biegen – mit Heißluft oder im Nassverfahren mit Glyzerin. Hochwertige Mehrkammer-Systeme wie das 6-Kammer-Profil mit 82,5 mm Einbautiefe behalten nach dem Biegen ihre vollen Dämmeigenschaften. Die Denkmalschutzbehörde erhält einen Rahmen, dessen Bogenradius die originale Konstruktion maßgenau widerspiegelt.

Zu beachten ist: Das Biegen erfordert verlängerte Produktionszeiten, spezielle gebogene Stahlverstärkungen im Profilinneren sowie Sonderbeschläge. Bogenverglasung ist daher gegenüber Standardausführungen bei vergleichbarer Glasfläche ca. 15–20 % teurer.

Der ‚falsche Bogen‘ – günstigere Alternative, die oft ausreicht

Nicht jede Situation erfordert eine vollständig gebogene Rahmenkonstruktion. Eine weit verbreitete und von vielen Denkmalbehörden akzeptierte Lösung ist der sogenannte ‚falsche Bogen‘: ein Fenster in rechteckigem Rahmen mit bogiger Ausfüllung im oberen Öffnungsbereich. Häufig ist das obere Segment als Festfeld (Fix) ausgeführt, während der rechteckige Unterteil als Dreh-Kipp-Flügel öffnet.

Diese Lösung senkt die Produktionskosten deutlich, wahrt aber die Proportionen der historischen Öffnung von der Fassade aus betrachtet. Der Unterschied zwischen echtem Bogen und ‚falschem Bogen‘ ist von der Straße kaum erkennbar – erst recht wenn die Verglasung mit passenden Sprossen und Holzdekorfolien ergänzt wird.

Wichtig: Eine Veränderung der Öffnungsgeometrie – z. B. Zumauern des Bogens und Einsetzen eines rechteckigen Fensters – erfordert eine Baugenehmigung, bei denkmalgeschützten Gebäuden zusätzlich die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde. Das Bewahren der ursprünglichen Bogenform, auch in der ‚falschen‘ Variante, ist nicht nur eine ästhetische Frage, sondern oft auch eine rechtliche Anforderung.


Sprossen – historische Ästhetik versus thermische Qualität

Sprossen definieren den Charakter von Altbaufenstern – sind gleichzeitig aber ein Reizthema im Kontext der energetischen Sanierung. Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie verstehen, wie sie sich auf die Wärmedämm-Kennwerte auswirken.

Drei Sprossentypen und ihre Eigenschaften

Wiener Sprossen (aufgesetzte Sprossen mit Duplex) sind die exklusivste und von Denkmalschutzbehörden am häufigsten akzeptierte Lösung. Zwischen den Scheiben wird eine ‚blinde‘ Sprosse als Abstandshalter montiert, außen und innen werden präzise profilierte Leisten aufgeklebt. Dies erzeugt eine überzeugende Illusion echter Fensterfelder.

Innenliegende Sprossen (Zwischenscheibensprossen) sind Aluminiumrahmen, die ins hermetische Glaspaket integriert sind. Vorteil: glatte Glasoberfläche, leicht zu reinigen. Verfügbar in Breiten von 8 bis 45 mm. Wichtiger Hinweis: Die Sprosse sollte mindestens 4 mm schmaler sein als die Breite des Glaspaket-Abstandshalters. Anderenfalls verursachen Erschütterungen – gerade in innerstädtischen Lagen häufig durch Straßenverkehr – ein störendes Klappern der Sprosse gegen das Glas.

Konstruktive Sprossen sind tatsächliche Rahmenteilungen, bei denen jedes Segment ein eigenes Glaspaket erhält. Am historischsten, aber mit den schwächsten Wärmedämmwerten – sie können den Uw-Wert des Fensters um bis zu 10–15 % verschlechtern.

Sprossen und der Uw-Wert – ein weit verbreiteter Mythos widerlegt

Viele Eigentümer verzichten auf Sprossen aus Sorge, sie könnten die thermischen Kennwerte so weit verschlechtern, dass ein Anspruch auf Fördermittel entfällt. Das ist ein Mythos, der auf vereinfachten Berechnungsverfahren beruht.

Die Norm DIN EN 14351-1 empfiehlt, Fenster mit Sprossen einen Zuschlag von 0,1 bis 0,2 W/(m²K) auf den Basis-Uw-Wert zu berechnen. Ingenieurmäßige Wärmebrückenanalysen zeigen jedoch, dass die tatsächliche Verschlechterung bei modernen Sprossen mit Warmer Kante nur rund 0,04 W/(m²K) beträgt.

Ein konkretes Beispiel: Ein Fenster im System GEALAN S9000 (6-Kammer-Profil, 82,5 mm Einbautiefe) mit Dreifach-Verglasung Ug=0,5 W/(m²K) erreicht Uw=0,71 W/(m²K). Mit Wiener Sprossen steigt der Wert realistisch auf rund 0,75 W/(m²K) – deutlich unter der Grenze von Uw ≤ 0,9 W/(m²K), die das GEG (Gebäudeenergiegesetz) sowie die BEG-Förderprogramme vorschreiben. Historisch schöne Sprossen und strenge Energieanforderungen schließen sich also keineswegs aus.


Förderprogramme – der häufigste Irrtum bei der Altbau-Sanierung

Der folgenschwerste Irrtum in der Branche ist es, Eigentümer in Mehrfamilienhäusern pauschal auf das falsche Förderprogramm hinzuweisen. Klären wir die Förderlandschaft im Bereich Fenstersanierung daher klar:

BEG – Bundesförderung für effiziente Gebäude

Die BEG ist das zentrale Förderprogramm der deutschen Bundesregierung für energetische Gebäudesanierungen. Sie gliedert sich in zwei relevante Teilprogramme:

  • BEG Einzelmaßnahmen Wohngebäude (BEG EM): Eigentümer einzelner Wohngebäude – vom Einfamilienhaus bis zum Mehrfamilienhaus – können Förderung für Fenster und Außentüren erhalten. Voraussetzung ist ein Uw-Wert ≤ 0,95 W/(m²K). Über die KfW oder das BAFA werden Zuschüsse in Höhe von 15 % (ggf. mit Bonus bis 20 %) gefördert.
  • BEG Wohngebäude (BEG WG): Für umfassende Sanierungen auf Effizienzhaus-Niveau – inkl. Fenster als Teil der Gesamtmaßnahme – können deutlich höhere Förderquoten erzielt werden.

Sowohl GEALAN S8000 (Uw bis 0,78 W/(m²K)) als auch GEALAN S9000 (Uw ab 0,71 W/(m²K)) erfüllen die Anforderungen beider BEG-Varianten mit erheblichem Puffer.

Steuerliche Förderung nach § 35c EStG

Eigentümer selbst genutzter Wohngebäude können Aufwendungen für energetische Sanierungsmaßnahmen – darunter auch den Fenstertausch – gemäß § 35c EStG steuerlich geltend machen. Die Steuerermäßigung beträgt insgesamt 20 % der Aufwendungen, verteilt auf drei Jahre (7 % im ersten und zweiten Jahr, 6 % im dritten Jahr), maximal 40.000 € pro Objekt.

Wichtig: Energetische Sanierungsmaßnahmen nach § 35c EStG erfordern eine Bescheinigung eines anerkannten Energieberaters sowie einen fachgerechten Einbau durch einen zugelassenen Fachbetrieb.


Warmmontage im Altbau – warum der Katalogstandard nicht ausreicht

Das dreilagige Warmmontage-System (innen dampfsperrende Folie, mittig Polyurethanschaum, außen dampfdurchlässige Folie) ist der anerkannte Standard, der Wärmebrücken eliminiert und vor Schimmel schützt.

In einem über hundert Jahre alten Altbau reicht die bloße Anwendung dieser drei Lagen jedoch nicht aus. Der Ausbau massiver, alter Holzfenster beschädigt in der Regel das umliegende Mauerwerk: Historischer Putz bröckelt ab, und die Struktur des Ziegelmauerwerks kann verletzt werden. Das Ergebnis ist eine Laibung mit rauer, unebener Oberfläche.

Das Problem liegt in der Physik: Moderne Abdichtungsfolien benötigen eine saubere, ebene Klebefläche. Wird die Folie auf mürbes, staubiges oder unebenes Mauerwerk aufgebracht, löst sie sich sofort oder dichtet nicht ab. Der Polyurethanschaum wird dann beidseitig von Feuchtigkeit durchdrungen – was schnell zu einer drastischen Verschlechterung der Dämmleistung und zu Schimmelbildung führt.

Die einzig korrekte Lösung: Das sorgfältige Ausgleichen der Laibung (sog. ‚Leibungsputz‘) mit schnell abbindenden Mauermörteln, bevor auch nur eine Folie angebracht wird. Oft müssen dabei auch unpassend dimensionierte, alte Fensterbänke ausgetauscht werden, die sonst zur Wärmebrücke werden.


Fenstertausch ohne Stemmarbeiten – Renovierungssysteme und Zierprofile

Einer der größten Ängste von Altbau-Eigentümern ist die Aussicht auf totale Verwüstung: das Herausstemmen alter Blendrahmen, beschädigte Innenputzflächen, Staub auf den Möbeln, wochenlanger Baustellenchaos. In Gebäuden mit reich verzierten Fensterlaibungen bedeutet konventioneller Ausbau den unwiederbringlichen Verlust von Elementen, deren Wiederherstellung ein Vermögen kostet.

Die Lösung heißt Renovierungsrahmensystem.

Renovierungsflügel – das neue Fenster auf den alten Blendrahmen

Renovierungsprofile sind mit speziellen integrierten ‚Finnen‘ in Breiten von 35 mm oder 65 mm ausgestattet, die nach der Montage eine ästhetische Abdeckblende bilden, welche die Reste des alten Holzblendrahmens von innen kaschiert. Von außen wird das Fenster mit systemkompatiblen Abdeckprofilen ergänzt. Ergebnis: Ein neues, wärmedämmendes Fenster – eingebaut in den vorhandenen Öffnungsrahmen, ohne Herausstemmen, Stemmarbeiten und ohne die Zerstörung wertvoller Putzflächen.

Diese Lösung verkürzt die Montagezeit, macht aufwändige Abbrucharbeiten überflüssig und schützt die denkmalwürdige Bausubstanz. Für den Eigentümer bedeutet es: Fenstertausch ohne Notwendigkeit, das Objekt während der Baumaßnahme zu verlassen.

Zierprofile – historische Details in modernem PVC

Selbst die authentischste Holzdekorfolie reicht nicht aus, wenn die ursprünglichen Fenster des Altbaus gedrechselte Pfostenkappen, profilierte Glasleisten oder ornamentale Kämpferdetails aufwiesen. Hier kommen sogenannte Zierprofile ins Spiel – dekorative Aufsetzelemente und Leisten, die Systemhersteller speziell zur Nachbildung historischer Fensterdetails entwickeln.

In führenden Profilsystemen sind u. a. stilisierte Glasleisten zur Nachbildung gründerzeitlicher Holzdetails, dekorative Anschlagleisten sowie auf Bestellung gefertigte Pfostenkappen verfügbar, die historische Schnitzarbeiten wirkungsvoll imitieren. Diese Elemente werden als Aufsätze auf Standardprofile montiert – das Fenster behält die vollen Wärmedämm- und Schallschutzwerte des modernen Mehrkammersystems und erhält gleichzeitig das Aussehen authentischer, historischer Verglasung.


Zweifarbige Fenster (Bicolor) – mehr Licht in dunkle Altbauräume

Altbauten zeichnen sich oft durch sehr dicke Außenmauern aus, was in Kombination mit kleinen Fensteröffnungen die Innenräume deutlich abdunkelt. Der Denkmalschutz schreibt eine dunkle Außenfolie vor, die Eigentümergemeinschaft verlangt Einheitlichkeit – und Sie wünschen sich eine helle, moderne Wohnung. Wie lässt sich dieser Widerspruch auflösen?

Die Antwort heißt Bicolor-Technologie: Fenster mit unterschiedlichen Farben auf der Innen- und Außenseite. Außen trägt das Fenster die behördlich vorgegebene Folie (z. B. dunkles Nussbaum oder Anthrazit), innen ist die Oberfläche reinweiß. Das weitet die Fensterleibung optisch auf, lässt den Raum größer wirken und ermöglicht eine helle, moderne oder skandinavische Innenraumgestaltung.

Das System GEALAN S8000 bietet die Bicolor-Option in über 50 Farbvarianten, darunter die exklusive Realwood®-Kollektion mit authentischer Holzstruktur. Das Premium-System S9000 bietet darüber hinaus Zugang zur GEALAN-acrylcolor®-Technologie mit einzigartigen Metallic-Farben und dunklem Profilkern, der die Farbintensität über Jahrzehnte beibehält.


Historische RAL-Farbtöne – was der Denkmalschutz wirklich akzeptiert

Dort, wo der Denkmalschutz eine Holzstruktur zugunsten deckender Beschichtungen ablehnt, ist die Wahl historisch adäquater Farbtöne erforderlich:

In der Architektur der 1930er Jahre dominierten helle, neutrale Töne – RAL 1015 (Hellelfenbein) –, Oliv- und Flaschengrüntöne sowie dunkle Anthrazite, die auf die industriellen Wurzeln der Epoche anspielen. Gebäude des ausgehenden 19. Jahrhunderts favorisierten warme Weiß- und gebrochene Beigetöne.

Für historische Klinker-Gebäude empfehlen sich tiefe Brauntöne – Nussbaum, Mahagoni oder Sumpfeiche –, die den warmen Fassadenton harmonisch aufgreifen, statt mit ihm zu konkurrieren.


Dichte Fenster im Altbau – Lüftung nicht vergessen

Der Austausch alter, undichter Fenster gegen moderne, hermetische Verglasung löst das Problem der Wärmeverluste – schafft aber gleichzeitig ein neues: die Blockade der natürlichen Schwerkraftlüftung.

Alte, verzogene Holzfenster stellten – ungewollt – eine permanente Mikrolüftung sicher. Werden diese ‚Undichtheiten‘ durch perfekt schließende PVC-Fenster mit drei EPDM-Dichtungen (wie beim System GEALAN S9000) beseitigt, kann die Luftzirkulation vollständig zum Erliegen kommen. Die Folge: Kondensation an Scheiben und Wandflächen, in kurzer Zeit Schimmelbildung.

Die Lösung ist einfach, aber zwingend erforderlich: der Einbau von Fenster-Lüftungsventilen. Druckgesteuerte oder hygrometrisch gesteuerte Aufsatzventile gewährleisten einen kontrollierten Frischluft-Zugang ohne nennenswerten Wärmeverlust.

Mehr erfahren: Fensterlüfter oder Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung? Kosten, Vor- und Nachteile im Vergleich


Maßtoleranzen – warum das neue Fenster kleiner ist als das alte

Das ist eine der häufigsten Fragen auf Altbau-Baustellen. Alte Kastenfenster wurden nach einer anderen Technologie montiert – ihr äußerer Blendrahmen griff tief in die Mauerwerksstärke ein, unter dem Fensterbrett verbarg sich oft eine Betonschicht.

Der Wechsel auf kompakte PVC- oder Aluminiumprofile erfordert die Berücksichtigung sogenannter Fugenmaße für die korrekte PU-Schaum-Verfüllung – in der Regel 15–20 mm auf jeder Seite. Die kleineren Außenmaße des neuen Profils werden ausgeglichen, indem möglichst schmale Rahmen- und Flügelprofile gewählt werden, um die Glasfläche und damit den Tageslichteinfall zu maximieren.

Aluminium-Systeme mit Profilbreiten ab 37 mm sind hier besonders wertvoll: bei kleinen Altbau-Öffnungen macht jeder Zentimeter Glasbreite einen spürbaren Unterschied bei der Raumhelligkeit.


Checkliste vor dem Fensterkauf im Altbau

Bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen, vergewissern Sie sich, dass alle folgenden Punkte geklärt sind:

  • Rechtsstatus des Gebäudes – prüfen Sie, ob das Objekt in der Denkmalliste steht, unter eine Denkmalbereichssatzung fällt oder keinem besonderen Schutz unterliegt.
  • Anforderungen der Eigentümergemeinschaft – nehmen Sie Kontakt zum Verwalter auf und klären Sie verbindliche Vorgaben zu Gliederung und Außenfarbe.
  • Abstimmung mit der Denkmalbehörde – vereinbaren Sie ein Vorgespräch vor der Bestellung. Bereiten Sie Fassadenzeichnungen, historische Fotos und Profilschnitte vor.
  • Wärmedämmwerte – wählen Sie Fenster mit Uw ≤ 0,95 W/(m²K) für die BEG-Förderung. GEALAN S8000 (Uw bis 0,78 W/(m²K)) und S9000 (Uw ab 0,71 W/(m²K)) liefern erhebliche Sicherheitsreserven.
  • Schallschutz – für stark verkehrsbelastete Lagen ein Schallschutzpaket mit Rw ≥ 38–42 dB wählen.
  • Einbruchschutz – Erdgeschosswohnungen erfordern Beschläge mit Einbruchsicherung mindestens der Klasse RC2 nach DIN EN 1627.
  • Sprosse – Typ mit Denkmalbehörde abstimmen und Uw-Grenzwert für Fördermittel bestätigen.
  • Farbgebung – Bicolor-Option prüfen: historische Farbe außen, Weiß innen.
  • Lüftung – Einbau von Fenster-Lüftungsventilen vor Bestellung einplanen.
  • Montage – Fachbetrieb wählen, der die Laibung vor dem Folienauftrag ausgleicht. Warmmontage auf rissigem Mauerwerk ohne Untergrundvorbereitung ist Geldverschwendung.

Zusammenfassung

Der Fenstertausch in einem Altbau oder Gründerzeithaus erfordert mehr Planung und Expertise als ein Standardaustausch im Neubau. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Klären Sie zuerst das Baujahrzehnt und den Denkmalschutzstatus – das bestimmt alle Ihre Handlungsoptionen.
  • Glauben Sie nicht dem Mythos ‚Altbau = zwingend Holzfenster‘ – moderne PVC-Folien mit nahtloser Schweißtechnik überzeugen viele Denkmalschutzbehörden, besonders an weniger exponierten Fassaden.
  • Sprossen disqualifizieren kein Fenster für Fördermittel – die tatsächliche Verschlechterung der Wärmedämmwerte ist ein Vielfaches geringer als eine vereinfachte Norm suggeriert.
  • Nutzen Sie die BEG-Förderung und prüfen Sie zusätzlich die steuerliche Absetzbarkeit nach § 35c EStG.
  • Warmmontage im Altbaumauerwerk erfordert zwingend eine Laibungsvorbereitung.
  • Vergessen Sie die Lüftung nicht – nach dem Einbau dichter Fenster ist eine kontrollierte Belüftung zwingend erforderlich.

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